Sowionline.de wird Teil von campusrookies.de – Interview mit Jens Blank

Anlässlich der Übernahme der Website Sowionline.de sprachen wir mit dessen Gründer Jens Blank unter anderem über Jobbörsen für Geistes- und Sozialwissenschaftler, den diffusen Arbeitsmarkt und Tipps für Euch, um einen erfolgreichen Berufseinstieg zu gestalten. Jens Blank arbeitet im Career Service der Goethe Universität in Frankfurt am Main.

Wie kam es dazu, dass Sie sowionline.de erstellt haben? Gab es eine spezielle Situation, die Sie dazu bewegt hatte?

Jens Blank: Die Ursprünge der Webseite gehen auf das Jahr 2002 zurück. Ich hatte die Webseite während meines Studiums der Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität eingerichtet und diverse Mitschriften aus dem Studium dort veröffentlicht. Ich fand es sehr verwunderlich, dass in meinem Fachgebiet praktisch keine Webseiten existierten.

Was waren Ihre Ziele und Vorsätze?

Jens Blank: Ein wirkliches Ziel gab es damals nicht. Letztendlich ging es darum, anderen Studierenden den Studienalltag zu erleichtern. Als sich im Verlauf meines Studiums mein Fokus auf den Berufseinstieg richtete, wollte ich vor allem meine Erkenntnisse im Bereich des Berufsübergangs weitergeben. So hat sich die Webseite immer weiter zur Stellenbörse weiterentwickelt.

Wie kamen Sie auf uns (campusrookies.de) als Kooperationspartner für Ihre Domain?

Jens Blank: campusrookies.de ist mir erstmals über eine Recherche im Internet aufgefallen. Die Webseite ist technisch sehr ausgefeilt und man konnte gut erkennen, dass dort mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wird. In der Folge habe ich Euch auf einer Messe für Geisteswissenschaftler an der Goethe-Universität getroffen und fand Euch sofort sympathisch. Mir fehlt die Zeit, die Webseite professionell weiterzuentwickeln. Ihr sprüht hingegen vor Ideenreichtum und habt ein funktionierendes System. Letztendlich gebe ich mein kleines Projekt sehr gern in Eure Hände, da es bei Euch exzellent aufgehoben ist.

Warum ist es Ihrer Meinung nach so wichtig, dass es Jobbörsen speziell für Geistes- und Sozialwissenschaftler gibt?

Jens Blank: Der Arbeitsmarkt für Geistes- und Sozialwissenschaftler ist immer noch unklar und diffus. Häufig sind die Karrieren dieser Absolventen hochgradig individualisiert, aber in der Summe werden dennoch wöchentlich viele verschiedene Stellen für Geistes- und Sozialwissenschaftler veröffentlicht. Es ist daher wunderbar, wenn Stellen für Geistes- und Sozialwissenschaftler zentral gesammelt werden, denn diese Jobbörsen weiten nicht zuletzt den Blickwinkel der Studierenden im Hinblick auf Karrieremöglichkeiten und individuelle Kompetenzen. Zudem werden auch Unternehmen angeregt, sich mit dem eigenen Bedarf an Geistes- und Sozialwissenschaftlern auseinanderzusetzen.

Durch Ihre Tätigkeit im Career Service der Goethe Universität in Frankfurt haben Sie tagtäglich mit Geistes- und Sozialwissenschaftlern Kontakt, die sich Gedanken über ihre berufliche Zukunft machen. Was sind wichtige Tipps/Hinweise für den Berufseinstieg?

Jens Blank: Studiert niemals aus dem Blickwinkel einer beruflichen Verwertbarkeit. Genießt die Fachlichkeit des Studiums und folgt Euren Interessen. Die dort erlernten Methoden werden Euch – wenn auch in abstrakter Form – immer wieder im Berufsleben aus der Patsche helfen. Ihr solltet Euch aber auch frühzeitig zusätzlich berufliche Schlüsselkompetenzen aneignen. Jede Universität bietet mittlerweile Grundlagenkurse im Bereich Projektmanagement und Betriebswirtschaftslehre an. Darüber hinaus solltet Ihr auf jeden Fall Praktika absolvieren. Zeigt keine Scheu vor der Wirtschaft. Leider scheinen Geistes- und Sozialwissenschaftler hier immer noch starke Berührungsängste zu haben.

Was raten Sie uns, damit wir uns noch besser entwickeln und zielorientierter agieren können? Auch im Hinblick auf Digitalisierungsprozesse?

Jens Blank: Ein Rat ist da schwierig. Grundsätzlich sollten sich vor allem die Hochschulen fragen, ob die Studiengänge in den Geistes- und Sozialwissenschaften auf den digitalen Wandel vorbereit sind. Maschinenbasiertes Lernen und Deep Learning spielen beispielsweise in den wenigsten Studiengängen eine Rolle. Ich vermute, dass sich gute Geistes- und Sozialwissenschaftler aus dem Instrumentenkasten der Informatik bedienen werden. Darüber hinaus habe ich die naive Hoffnung, dass auch die Wissenschaftstheorie an Bedeutung gewinnen muss. Big-Data-Verfahren ersetzen keine theoretische Auseinandersetzung mit einem Themenkomplex.